Jörg Immendorffs Leistung zur Kunst des 20.Jahrhunderts ist es, die Rolle des Künstlers im gesellschaftlich-historischen Prozeß zum Thema seiner Arbeit gemacht zu haben. So setzt er in der Beziehung zu Wilhelm Lehmbruck - dem Schöpfer der "gotisch"-gelängten "leidenden" Aktfiguren des Expressionismus - seine Gestalt eines "aufgerichteten Lehmbruck". Nicht länger Opfer, wie die Gestalten Lehmbrucks, sitzt diese Figur mit selbstsicherem Gestus der Welt gegenüber. Eine selbstbewußte, kräftige Figur, die die Geschichte reflektiert, die Zeichen in der Hand liest. Immendorff bringt dort eine Überlagerung der Jakobinermütze durch die Nachtmütze des "Deutschen Michels".
