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"Der Berliner Künstler Rainer Fetting hat für Rosenthal ein ungewöhnliches Dekor entworfen, das sich über die Regeln der Porzellanbemalung hinwegsetzt. Das Kaffeeservice »Cupola«, gestaltet von Mario Bellini, forderte den Maler Fetting offensichtlich spontan dazu heraus, den klaren, klassischen Linien seine Phantasie entgegenzusetzen. er schuf eine kleine Familie von Pelikan-Figuren, die sich Tellern, Tassen, Dosen, dem Gießer und der Kanne zwar eingliedern, diese aber zugleich in witziger Weise konterkarieren. So wächst aus dem oberen Teil der Kanne der charakteristische Pelikankopf mit dem überdimensionierten Schnabel und nutzt dabei geschickt den tief heruntergezogenen Ansatz der Tülle. Der Pelikan spielt im übrigen eine bedeutende Rolle in der abendländischen Kultur als Symbol für opferbereitschaft und ist auf vielen Abbildungen zu sehen. Auch für Rainer Fetting ist das Motiv nicht neu. Er hat es schon während seiner vielen New York-Aufenthalte verarbeitet, allerdings in seiner sehr viel freieren Form. Über Rainer Fetting, der zur Gründergeneration der international renommierten 'Jungen Wilden' gehört, schrieb der Publizist und Museumschef Jean-Christophe Amman einmal, daß der Gegenstand bei ihm nicht als Sujet dargestellt, sondern 'aus der Malerei selbst hervorgebracht' werde. Das heißt, der Künstler kreiert den Gegenstand sozusagen neu, mit seiner persönlichen Handschrift. So finden Gestaltungselemente einer freien Phantasie und vorgegebene, eher strenge Formen zu einer Kunst-vollen Symbiose zusammen."
Dr. Inken Nowald, 1993 |