Die Form »TAC« der Marke Rosenthal studio-line
Beim Teeservice »TAC« von Walter Gropius stand die jahrtausendealte Form der chinesischen Teeschale Pate. Diese, aus der Funktion heraus entwickelte und immer mehr perfektionierte Form war der ideale Ausgangspunkt. Sie bestimmte nicht nur die ausladende Tassenform, sondern in ihrer Umkehrung auch die Form von Kanne, Gießer und Zuckerdose. Der Gesamteindruck des 1969 erstmals ausgeformten Services wird also von Schwung und Gegenschwung geprägt. Dem Designer gelang es hier, Funktion und Ästhetik optimal zu verbinden. Der Formname »TAC« steht als Abkürzung für The Architects' Collaborative, dem 1945 von Gropius gegründeten Architekturbüro in Cambridge, Massachusetts, USA.
Das Teeservice - beabsichtigt war ursprünglich auch die Ausformung von Kaffee- und Speiseservice - bietet nicht nur einen hervorragenden optischen Gesamteindruck, sondern eine Fülle von gestalterischen Details, die sich erst bei näherem Hinsehen erschließen: Der Bügel auf dem Kannendeckel ist das Ergebnis eingehender Funktionsstudien. Die meisten Benutzer halten nämlich den Deckel beim Gießen trotz mechanischer Sicherung zusätzlich fest. Bei der Kanne liegt der Daumen unwillkürlich auf dem Bügel und drückt so scheinbar den Deckel fest. Darüber hinaus dient der Kannendeckel auch zum herausnehmen des integrierten Porzellan-Teesiebs. Der schildförmige Durchmesser bei der Kannentülle und am Ausguß des Sahnekännchens entstand in mühevoller Millimeter-Arbeit. Die Ausführung »TAC black« in Porcelaine Noir ist zweifellos auf Gropius' Wunsch zurückzuführen und gehört von Anfang an zur Kollektion. Besonders beachtenswert ist dabei der handwerklich aufwendig herzustellende Glasureffekt von glänzend auf matt bei der Kanne.
»TAC« ist heute ein Design-Klassiker erster Güte, in dem sich funktionale Anforderungen zu einem ausdrucksstarken, harmonischen Gesamtbild fügen. 1992 wurde es in die Ständige Sammlung des Centre Georges Pompidou, Paris, aufgenommen, nachdem es bereits mehrfach prämiert worden war: Medaglia d'Oro (1969) »TAC I« Die Gute Industrieform / iF (1970) »TAC I« Prädikat "formbeständig" (1989) »TAC I« Auch in der Kunst fand die Form hohen Zuspruch. 1979 entwickelte kein Geringerer als Herbert Bayer zwei Dekore unter dem Titel »Bauhaus Hommage«. Anläßlich des 75. Gründungstages des Bauhaus Weimar dekorierten 1994 zwölf internationale Künstler in der "Hommage à Bauhaus" die Teekanne (je 99 Exemplare) in jeweils typischer Handschrift: Afrika, Christian Attersee, Elvira Bach, Sandro Chia, Rainer Fetting, Paul Giovanopoulos, O.H. Hajek, Jörg Immendorff, Igor Kopystiansky, Marcello Morandini, Eduardo Paolozzi, Arnulf Rainer.
Im Jahr 2002 verwirklichte Rosenthal schließlich mit dem Kaffee- und Speiseservice sowie der Kristallglasserie »TAC o2« die ganze Idee von Walter Gropius. Neben bis dato uneditierten Original-Entwürfen umfasst das Programm neue Formen, in denen der Geist von Gropius weitergeführt wurde. Maßgeblich unterstützt wurde das Unternehmen hierbei von der Bauhaus-Stiftung in Dessau.
LITERATUR - Fritz, Bernd "Design-Klassiker: Das Teegeschirr TAC 1 von Walter Gropius", Frankfurt/M. - Rosenthal AG "Fakten Serviceformen", Selb |