Interview mit Marcello Morandini

   

  

Rosenthal: Ich darf Sie ganz herzlich begrüßen in unserer Sonderausstellung „Rosenthal 125 Jahre – Das Originale unserer Zeit" und zu unserer täglichen Gesprächsrunde, wo wir Experten, Künstler und Designer begrüßen dürfen, um über bestimmte Themen und Facetten von Rosenthal zu sprechen.
Ich habe heute einen ganz besonderen Gast: Marcello Morandini - Künstler und Architekt. Vielleicht können Sie uns ein bisschen zu Ihrer Person als Künstler erzählen?

Marcello Morandini: Ja. Das ist ein bisschen kompliziert in deutsch - für mich besser in italienisch natürlich. Ich bin Künstler, Designer, und ich mache auch Architektur, für mich ist dies nur eine Arbeit. Ich liebe diese Möglichkeit. Ein Projekt für mich ist immer ein bisschen Kunst und ein bisschen wenig von Design. Das ist ganz klar. Und die Skulpturen sind auch die Architektur. Immer. Geometrisch.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Rosenthal zustande? Seit wann arbeiten Sie für uns?

Ja, das ist viel Zeit - seit 1979. Das ist eine lange Zeit, für mich eine superinteressante Periode. Ich habe gearbeitet mit Philip in Richtung Kunst, Design, und Architektur natürlich. Ich habe gemacht viele, viele Wandobjekte, viele Skulpturen und die Fassaden für die Rosenthal Zentrale und für das Werk Thomas am Kulm, für Speichersdorf genau.

Wie ging das damals los? Haben Sie einen Brief von Philip Rosenthal bekommen?

Nein. Professor Gomringer ist drei mal gekommen nach Varese. Und beim dritten Mal sagte ich "O.k., ich arbeite für Rosenthal". Aber früher ich hatte ein bisschen Angst für die Funktion und die Kunst. Ich liebe mehr die Kunst.

Sie sind ein enger Freund gewesen von Philip Rosenthal, der ja die Kunstedition auch ins Leben gerufen hat. Wie war ihre Beziehung zu Philip Rosenthal?

Philip Rosenthal war für mich ein phantastischer Freund - ein Vaterfreund, Superfreund. Wir haben viel gemacht, viel telefoniert, viel besprochen. Und ich bin sehr froh mit Philip, für jede Experienze, die ich gemacht habe.

Vielleicht schauen wir uns mal dieses Projekt "Hommage | Philip Rosenthal" an. Da waren Sie mit drei Werken beteiligt. Vielleicht können Sie uns einmal zeigen, was Sie in diesem Projekt gemacht haben?

Na, ich denke, jedes Stück, jedes Kunststück ist sehr sehr wichtig. Jeder Künstler oder Designer hat gemacht diese Arbeit mit viel Herz für Philip in Anerkennung. Ich habe gemacht dieses weiße Wandobjekt.

Es heißt: »Chapeau Philip« – Hut ab für Philip Rosenthal.

Das ist ganz klar. Aber ich denke, jedes Stück ist phantastisch. Wir Künstler haben für Philip mit unserem Herz gemacht als Anerkennung. Denn er hat viel gemacht für Künstler, für Designer und so. Ich glaube, dass Philip wirklich das Beste gegeben hat. Philip Rosenthal war dadurch außergewöhnlich, dass er die Kunst mit dem Alltäglichen vereint hat. Und ich glaube, dass er darin wirklich ein Kämpfer war. Philip hat viel gemacht in dieser Richtung. Und das ist seine wichtigste Leistung für Rosenthal.

In der "Hommage | Philip Rosenthal" gibt es auch Schachspiele. Es gibt eins von Marcello Morandini, eins von Bjørn Wiinblad und eins von Ihnen beiden. Dieses Schachspiel »Konstruktivist gegen Romantiker« hat eine Geschichte. Können Sie uns die Geschichte hierzu erzählen?

Philip Rosenthal hat mit mir telefoniert, mehrmals. Ich machte ein Spiel mit Bjørn Wiinblad - zwei Welten. Aber für Philip Rosenthal war ganz wichtig, das wir beide daraus diese Welt machen. Wir kennen die Kultur - Morandini oder Wiinblad. Die wichtige Sache ist, das Kunst nicht nur für die Museum ist, sondern auch zum Wohnen, für jeden Tag. Das war eine große Sache für Philip. Ich habe mein Projekt dreimal gemacht, ich bin nicht zufrieden zweimal. Aber diese dritte Projekt ist gut. Ich bin froh um dieses - Bjørn ist immer zufrieden mit seinem Projekt. Das ist ganz sympathisch. Und ich bin sehr froh und stolz. Wir haben zusammen gemacht dieses Projekt für Philip. Das ist seine Idee, die wir beide mit sehr viel Freude gemacht haben.

Ein weiteres Projekt in der "Hommage | Philip Rosenthal" ist »Glapo«. Herr Morandini, was ist »Glapo«?

Das ist ein komischer Name. »Glapo« ist eine richtig totale Idee von Philip Rosenthal. Er hat immer gedacht, glaube ich, das Porzellan lebt mit Metall, mit Glas, mit Holz, mit die Natur. Philip hat mit mir mehrmals über dieses Projekt gesprochen. Ich habe es aber niemals gemacht. Aber Philip Rosenthal hatte Idee und wollte sie umsetzen, ich habe nur die Dekoration gemacht.

»Glapo« heißt Glas + Porzellan. Das ist ein Glas, bei dem wir einen Kelch aus Glas haben und den Stil aus Porzellan, dekoriert von Marcello Morandini. Es ist ein Material-Mix, den Philip Rosenthal schon sehr früh propagiert hat, nun realisiert im Rahmen der "Hommage | Philip Rosenthal".
Lassen sie uns jetzt einmal zum nächsten Bereich gehen. Da geht es um Architektur. Philip Rosenthal hat Architektur die "dritte Haut" genannt. Die "erste Haut" ist unsere natürliche, die "zweite Haut" die Kleidung, die wir tragen, und die "dritte Haut" sind die Gebäude, die uns umgeben. Dies war sein Ansatz, der Architektur einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Sie haben für uns zwei Projekte umgesetzt. Vielleicht sagen Sie kurz etwas dazu?

Für die Fassade des "Spiegelhaus" der Rosenthal Zentrale hat Philip Rosenthal gefragt: Marcello ich möchte ein bisschen mehr Sonne in Selb - in Selb ist sehr kalt, in jeder Jahreszeit - und ich möchte eine neue Fassade mit ein bisschen Sonne. Und da habe ich alles mit einem Spiegel gemacht.

Und die zweite Fassade, Herr Morandini?

Die zweite Fassade ist ein bisschen interessanter. Das ist die Fassade der Rosenthal Fabrik Thomas am Kulm - zweihundert Meter lang. Ich habe gemacht den Dekor - einen Raster aus Schwarz, Weiß, Blau und Grün, geboren aus der architektonischen Struktur der Fassade. Die markante Dachlinie gab die Struktur vor. Und meine Struktur ist das Programm der Farben. Letztendlich ist das Projekt aus sich selbst geboren. Es ist nichts Fremdes - es entspricht der Architektur.

Das ist logisch. Also, es funktioniert.

Und das ziemlich gut.

Sie haben ja auch in den Rosenthal Limitierten Kunstreihe Bedeutendes realisiert. Es gibt ein Objekt von Ihnen, das wir immer immer gerne präsentieren, weil es so toll ist. Das ist die "Morandini-Welle", die »Onda costrutta«, etwas, was man zunächst nicht glaubt, in Porzellan überhaupt herstellen zu können. Wie hat da die Zusammenarbeit funktioniert, als Sie sich das ausgedacht haben?

Ich glaube, die Techniker haben diese Sache gemacht. Für mich war die Zeichnung ganz einfach. Die Realisation war sehr sehr kompliziert. Ich bin sehr froh.

Wie lange hat das gedauert - von der Zeichnung bis zu dem Objekt?

Das waren mehrere Monate. Während dieser Zeit habe ich gesehen einen kleinen Porzellanberg: Alles kaputte Proben.

Und wir bedanken uns ganz, ganz herzlich erstens dafür, dass Sie da waren, zweitens, dass sie mit mir gesprochen haben, und drittens, dass sie das ganze auch noch auf Deutsch gemacht haben. Herzlichen Dank.

 

Auszüge eines Interviews von Astrid Kühn, Leiterin Unternehmenskommunikation der Rosenthal AG, mit Marcello Morandini am 22.2.2004 auf der Jubiläumsausstellung der Rosenthal AG in der Galleria der Messe Frankfurt während der AMBIENTE.